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Kooperatives Promotionskolleg Pro|Mat|Nat

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Kooperatives Lernen fördern - Ein Training zur gezielten Beobachtung von Schülerinteraktionen


Kooperatives Lernen ist eine gut untersuchte Lehr- und Lernform, deren Wirksamkeit -auch oft im Vergleich zu individuellem Lernen- nachgewiesen wurde. Allerdings hängt dieser Effekt auch von Bedingungen ab, die sich auf die Qualität der Schülerinteraktion auswirken (z.B. Lernziele, Gruppengröße, -zusammensetzung, domänenspezifisches Vorwissen und Erfahrung der Schüler/innen mit kooperativem Lernen). Lernförderliche kooperative, kognitive und meta-kognitive Aktivitäten sind beispielsweise gegenseitiger Austausch von Ideen, gegenseitiges Nachfragen und Erklären sowie gegenseitiges Überwachen des Verständnisses. Lehrkräfte, die kooperatives Lernen effektiv in ihren Unterricht implementieren wollen, müssen sich dieser Bedingungen und Schüleraktivitäten bewusst sein, um eine hohe Qualität der Schülerinteraktion zu begünstigen.
In unserem ICLC Kompetenzrahmen (Implementing Collaborative Learning in the Classroom, ICLC framework), welcher basierend auf aktuellen Forschungsbefunden zum kooperativen Lernen entwickelt wurde, werden folgende Lehr-Kompetenzfacetten dargestellt: Planen von kooperativen Lernarrangements, Beobachten und Bewertung der Schülerinteraktionen, Unterstützen der Schülerinteraktionen sowie Konsolidierung der Gruppenergebnisse und eine abschließende Reflexion über den Erfolg des kooperativen Lernarrangements.
Zur Testung und Förderung solcher Lehrkompetenzen haben sich situative Ansätze wie beispielsweise die Vignettentechnik bewährt. Zur situativen Förderung der gezielten Beobachtung und Bewertung (siehe auch Professional Vision) von Schülerinteraktionen wurden kurze Videos zu prototypischen Schülerinteraktionen (nach Drehbuch gespielt) in einem vierstündigen Training eingesetzt. Mit einem quasi-experimentellen Kontroll-Gruppen-Design wurde untersucht, ob das Training das gezielte Beobachten von Schülerinteraktionen bei angehenden Lehrkräften verbessern kann. Es zeigte sich, dass Lehramtsstudierende an der Universität, welche am Training teilnahmen, sich von einer Testung vor dem Training zu einer Testung nach dem Training im Vergleich zu einer Kontrollgruppe verbesserten. Dieser mittlere Trainingseffekt konnte auch in einer Trainingsgruppe von Studierenden an der Pädagogischen Hochschule sowie bei Lehreranwärter/innen in ihrem Referendariat repliziert werden. Diese gezielte Beobachtung und Bewertung von Schülerinteraktionen ist eine wichtige Voraussetzung für individuelles, adaptives Unterstützen von Schüleraktivitäten in kooperativen Lernarrangements und damit die Begünstigung einer hohen Qualität der Schülerinteraktion.

Ausgewählte Veröffentlichung:

Kaendler, C., Wiedmann, M., Rummel, N., & Spada, H. (2014). Teacher competencies for the implementation of collaborative learning in the classroom: A framework and research review. Manuscript submitted for publication.

Poster Teilprojekt C5.1

Betreuung:
Prof. Dr. Hans Spada
Prof. Dr. Hans Spada

Prof. Dr. Timo Leuders
Prof. Dr. Timo Leuders

Doktorandin:
Celia Kändler
Celia Kändler