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Kooperatives Promotionskolleg Pro|Mat|Nat

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Erwerb von allgemeinem und fachspezifischem pädagogischen Wissen über Strategien durch Verwendung abstrakter kategorialer Schemata


Die überlegte Anwendung von Lernstrategien ist eine Schlüsselkompetenz, die Schüler/innen zum effektiven Lernen benötigen. Die Diagnose von Lernstrategien ist aus diesem Grund als eine zentrale Kompetenz für Lehrkräfte im Bildungsplan aufgeführt. Solche eine Diagnose erfordert profunde Kenntnisse über Lernstrategien. Allerdings konnten Lehrkräfte in mehreren Studien Lernstrategien nicht oder nur verschwommen von ähnlichen Konzepten wie etwa Lehrstrategien (z.B. eine Gruppenarbeit durchführen) unterscheiden.
Dieses misskonzeptartige Wissen blieb auch nach einer Fortbildung über Lernstrategien teilweise bestehen. Wie lässt sich diese Veränderungsresistenz erklären? Lehramtsstudierende bringen zusätzlich zu ihrem professionellen Wissen intuitives Wissen aus ihren eigenen Erfahrungen mit Lernen und Lehren mit. Dieses Wissen liegt meist eher ungeordnet und unverbunden als knowledge in pieces vor - vergleichbar mit unsortierten Vorwissenspuzzleteilen aus verschiedenen Puzzles. Die einzelnen Teile sehen ähnlich aus, gehören aber teilweise zu unterschiedlichen Puzzles. Bei einer Fortbildung kann es nun passieren, dass unpassende Wissenspuzzleteile aktiviert und genutzt werden, die zu anderen Konzepten gehören. Lernende benötigen dann viele kognitive Ressourcen, um herauszufinden, wo sie die neuen Wissenspuzzleteile anlegen sollen. Dies kann zu kognitiver Desorientierung beim Wissenserwerb führen und damit die Wirkung von Fortbildungen beeinträchtigen.
In unserem Projekt entwickelten wir ein kurzes Vor-Training, das Lehramtsstudierenden half, ihr Wissen über Lernstrategien zu reorganisieren, bevor sie das eigentliche Training erhielten. In diesem Vor-Training wurde den Lehramtsstudierenden ein übergreifendes Ordnungsschema als kognitiver Rahmen vermittelt, anhand dessen sie ihre Vorwissenspuzzleteile den jeweils zugehörigen Konzepten (z.B. Lernstrategien oder Lehrstrategien) zuordnen konnte. Dadurch sollte ihnen die Abgrenzung von Lernstrategien zu ähnlichen Konzepten klarer werden. Danach folgte eine Fortbildung über Lernstrategien. Das Vor-Training führte in zwei Studien zu höherem Lernerfolg, effizienterem Lernen (Lernerfolg/Lernzeit) und steigerte darüber hinaus das Interesse und die Selbstwirksamkeitserwartung primäre Lernstrategien bei Schüler/innen zu diagnostizieren.
Das Vor-Training hat sich damit nicht nur als erfolgreich erwiesen, es ist auch ökonomisch und flexibel einsetzbar. Dadurch kann es ohne größeren Aufwand in die bestehende Lehrerausbildung integriert werden. Die Intervention kann zudem für andere pedagogical pieces of knowledge angepasst werden.

Ausgewählte Veröffentlichung:

Ohst, A., Fondu, B. M. E., Glogger, I., Nückles, M., & Renkl, A. (2014). Preparing learners with partly incorrect intuitive prior knowledge for learning. Frontiers in Psychology, 5. doi:10.3389/fpsyg.2014.00664

Poster Teilprojekt C4

Betreuung:
Prof. Dr. Alexander Renkl
Prof. Dr. Alexander Renkl

Prof. Dr. Matthias Nückles
Prof. Dr. Matthias Nückles

Prof. Dr. Werner Rieß
Prof. Dr. Werner Rieß

Doktorandin:
Andrea Ohst
Andrea Ohst