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Kooperatives Promotionskolleg Pro|Mat|Nat

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Wenn allgemeines für fachbezogenes Wissen einspringen soll. Zum Verhältnis von allgemeinem pädagogischen und fachbezogenem pädagogischen Wissen am Beispiel multipler Repräsentationen.


Professionelles Handeln von Lehrkräften wird heutzutage als komplexes Zusammenspiel mehrerer Kompetenzfacetten betrachtet. Neben allgemeinem pädagogischen Wissen (pedagogical and psychological knowledge, PPK) und Fachwissen (content knowledge, CK) besitzen Lehrkräfte fachbezogenes pädagogisches Wissen (pedagogical content knowledge, PCK), auf das sie im inhaltlich vertrauten Schulalltag zurückgreifen. Da bei "neuartigen", wenig vertrauten Lehrinhalten jedoch kein passendes PCK zur Verfügung steht und somit auch nicht für Entscheidungen herangezogen werden kann, stellt sich die Frage, ob Lehrkräfte in einer solchen Situation auf PPK zurückgreifen können.
Kann PPK, welches in der universitären Ausbildung meist getrennt von fachbezogenen Inhalten vermittelt wird, ohne größere Probleme auf das Lehren der fachbezogenen Inhalte angewandt werden? Im Rahmen des Projekts C3 wurden zwei Studien durchgeführt, die an Mathematik Lehramtsstudierenden (N= 129) verschiedene Integrationsmöglichkeiten von PCK und PPK und die sich daraus ergebende Anwendbarkeit von PPK untersuchten.
Im Rahmen der ersten Studie wurden zwei Bedingungen realisiert: (a) "Getrennte" Lerneinheiten für Lehramtsstudierende jeweils zu pädagogisch-psychologischem Wissen und spezifischem mathematikdidaktischen Wissen zum Thema multipler externer Repräsentationen im schulischen Unterricht; (b) "integrierte" Lerneinheit in der Querbezüge hergestellt werden. Da die begründete Annahme bestand, dass die Vorteile der Integration nicht der integrierten Darstellung an sich, sondern vielmehr der integrierten Abspeicherung verschiedener Wissensarten zuzuschreiben war, wurde im Rahmen einer zweiten Studie eine weitere Bedingung ins Studiendesign integriert. In dieser dritten Lernbedingung bearbeiteten Lehramtsstudierende zunächst getrennte Lerneinheiten und erhielten anschließend Verarbeitungsaufforderungen (Prompts), die zur Integration anregten.
Insgesamt zeigen die Befunde beider Studien, dass die Anwendbarkeit von abstraktem pädagogisch-psychologischem Wissen durch verschieden implementierte Integration der Wissensarten beträchtlich gesteigert werden konnte sowie, dass die simultane Anwendung beider Wissensarten bei der Lösung eines Unterrichtsszenarios gefördert wurde. Ein weiterer Befund weist erfreulicherweise darauf hin, dass diese positiven Effekte von Integration auch bei Lernenden mit niedrigem Vorwissen oder niedriger Arbeitsgedächtniskapazität bestehen. In praktischer Hinsicht erweist sich vor allem der hinweisgeleitete Ansatz als besonders vielversprechend, da im universitären Kontext integrationsfördernde Prompts als Hausaufgaben oder in Begleitveranstaltungen bearbeitet werden können, ohne eine entscheidende Änderungen des vorherrschenden Kurssystems zu erfordern.

Ausgewählte Veröffentlichunge

Harr, N., Eichler, A., & Renkl, A. (2014). Integrated Learning: Ways of fostering the applicability of teachers' pedagogical and psychological knowledge. Manuscript submitted for publication.

Poster Teilprojekt C3

Betreuung:
Prof. Dr. Alexander Renkl
Prof. Dr. Alexander Renkl

Prof. Dr. Andreas Eichler
Prof. Dr. Andreas Eichler

Doktorandin:
Nora Harr
Nora Harr