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Kooperatives Promotionskolleg Pro|Mat|Nat

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Förderung adäquater Schwierigkeitseinschätzung im Bereich des Funktionalen Denkens


- Die Rolle von Fehlvorstellungen bei der Schwierigkeitseinschätzung von Aufgaben zum Funktionalen Denken -

Adaptives Unterrichten setzt bei Lehrkräften die Fähigkeit zur Einschätzung von Lernvoraussetzungen als eine wesentliche Facette fachbezogener pädagogischer Kompetenz (PCK) voraus. Studien belegen jedoch erhebliche Fehleinschätzungen bei der Beurteilung von Aufgabenschwierigkeiten, im Einklang mit der Theorie des Expert-Blind-Spots. In den Studien des vorliegenden Projekts wird untersucht, von welchen Kompetenzfacetten die Fähigkeit der adäquaten Schwierigkeitseinschätzung abhängt und inwieweit sich diese Fähigkeit verbessern lässt.
In einer ersten empirischen Studie wurden Aufgaben zu Funktionen in graphischer und tabellarisch-numerischer Darstellung untersucht. Im Vergleich der empirischen Lösungshäufigkeiten (N=230) mit den Einschätzungen von Studierenden, Referendaren und Lehrkräfte zeigte sich, dass zwischen den Gruppen die Verschätzungen mit zunehmender Praxiserfahrung abnahmen. Hohes schulbezogenes mathematisches Fachwissen, scheint die Güte der Einschätzung positiv zu beeinflussen.
Die Unterschätzung bei graphischen im Vergleich zu numerisch-tabellarischen Aufgaben war in allen Gruppen signifikant größer. In einer zweiten Studie wird gezeigt, dass diese Fehlurteilte erheblich mit der Eigenperspektive der Schätzenden zusammenhängen. Dies lässt eine stärkere "Komprimierung" des Expertenwissens bei graphischen Items vermuten. In diesem Zusammenhang wird in einer dritten Studie untersucht, ob das Dekomprimieren von Aufgaben sensibilisierend zur Perspektivenübernahme wirkt und damit die Urteilsgenauigkeit erhöht.
In einer Interventionsstudie wurde die Wirkung verschiedener Treatments auf die Einschätzung von Aufgaben zum Funktionalen Denken untersucht. Es zeigte sich, dass die Vermittlung von Wissen über schwierigkeitsgenerierende Merkmale und typische Schülerfehler sowohl die Schätzung realistischer Lösungshäufigkeiten als auch der Schwierigkeitsrangfolge verbessert. Eine reine Sensibilisierung für Verschätzungstendenzen im Sinne des Expert-Blind-Spots lässt die Rangkomponente unbeeinflusst. Das Wissen um typische Fehlvorstellungen von Schülern scheint eine vorhandene Lücke zu schließen, wenn um die korrekte Einschätzung der Schwierigkeit einer Aufgabe geht.

Poster Teilprojekt C1

Betreuung:
Prof. Dr. Timo Leuders
Prof. Dr. Timo Leuders

Prof. Dr. Matthias Nückles
Prof. Dr. Matthias Nückles

Prof. Dr. Lars Holzäpfel
Prof. Dr. Lars Holzäpfel

Doktorand:
Andreas Ostermann
Andreas Ostermann