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Kooperatives Promotionskolleg Pro|Mat|Nat

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Förderung diagnostischer Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern im Bereich "Funktionales Denken"


In der aktuellen Debatte um Lehrerprofessionalisierung gibt es kaum eine Komponente des Wissens und Könnens, die genauso ins Zentrum gerückt ist, wie diagnostische Kompetenz. Als Teil der fachdidaktischen Kompetenzen bezieht sie sich auf die Beurteilung von Schülerleistungen und Aufgaben bezüglich ihres Anforderungsprofils (Krauss et al. 2008). Im letzten Jahrzehnt weisen Ergebnisse aus der Unterrichts- und Bildungsforschung unterschiedliche Ausprägungen diagnostischer Kompetenz von Mathematiklehrkräften auf, die Auswirkungen auf die Leistungen der Schüler haben (Anders et al. 2010). Erste Aus- und Fortbildungskonzepte wurden erprobt, wobei die Förderung der diagnostischen Kompetenz in Bezug auf die Beurteilung von Schülerlösungen und dem Diagnosepotential von Aufgaben bisher noch aussteht (Schwarz, Wissmach & Kaiser 2008; Klug 2011).
Im Rahmen einer Interventionsstudie im Kontrollgruppendesign (N=26) wurde diagnostische Kompetenz exemplarisch am Themenbereich Funktionen gefördert. Dabei lag der Schwerpunkt auf der verbesserten Analyse von Schülerlernständen sowie dem Einsatz von Diagnoseaufgaben. Parallel zur theoriegeleiteten Fortbildungsentwicklung wurde ein Erhebungsinstrument, das zur Wirksamkeitsüberprüfung der Intervention dient, erzeugt. Die verbal vorliegenden diagnostischen Lehrerurteile wurden auf der Basis der Grounded Theory (Glaser & Strauss 1998) durch einen Kodierungszyklus ausgewertet. Eine anschließende Cluster-Analyse resultierte in der Aufstellung von zwei unterschiedlichen Diagnosetypen vor und nach der Fortbildung mit zufriedenstellenden Interraterreliabilitäten. Diese Typen umfassen folgende diagnostische Kategorien: diagnostische Aktivitäten, die Konkretheit, der Fokus (Stärken und/oder Schwächen einer Schülerlösung), die Verständlichkeit und Korrektheit eines diagnostischen Urteils und vier weitere Qualitätskriterien (Busch, Barzel & Leuders eingereicht). Mithilfe der Erstellung von Diagnoseprofilen auf der Basis dieser Kategorien und einer Cluster-Analyse konnten Entwicklungsverläufe diagnostischer Kompetenzen und somit Wirkungen der Fortbildung erfasst werden.

Anders, Y., Kunter, M., Brunner, M., Krauss, S., Baumert, J. (2010). Diagnostische Fähigkeiten von Mathematiklehrkräften und ihre Auswirkungen auf die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler. PEU 57 (3), 175-193.
Busch, J., Barzel, B., Leuders, T. (Eingereicht). Die Entwicklung eines kategorialen Kompetenzmodells zur Erfassung diagnostischer Kompetenzen von Lehrkräften im Bereich Funktionen. JMD: Special Issue. Lehrerfortbildung/Multiplikatoren Mathematik-Konzepte und Wirkungsforschung, 2.
Glaser, B.G., & Strauss, A.L. (1998). Grounded theory. Strategien qualitativer Forschung. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle: Huber (Hans Huber Programmbereich Pflege).
Klug, J. (2011). Modeling and training a new concept of teachers' diagnostic competence. TU Darmstadt: Darmstadt, [Ph.D. Thesis].
Krauss, S., Neubrand, M., Blum, W., Baumert, J., Brunner, M., Kunter, M., Jordan, A. (2008). Die Untersuchung des professionellen Wissens deutscher Mathematik-Lehrerinnen und -Lehrer im Rahmen der COACTIV-Studie. Journal für Mathematikdidaktik, 29 (3/4), 223-258.
Schwarz, B. Wissmach, B., Kaiser, G. (2008). "Last curves not quite correct": diagnostic competences of future teachers with regard to modelling and graphical representations. ZDM Mathematics Education, 40(5), 777-790.

Ausgewählte Veröffentlichung:

Busch, J., Barzel, B., & Leuders, T. (Eingereicht). Promoting secondary teachers' diagnostic competence with respect to functions - Development of a scalable unit in Continuous Professional Development. ZDM: Sepcial Issue. Evidence-based CPD: Scaling sustainable interventions at large, 1.

Poster Teilprojekt B1

Betreuung:
Prof. Dr. Bärbel Barzel
Prof. Dr. Bärbel Barzel

Prof. Dr. Timo Leuders
Prof. Dr. Timo Leuders

Prof. Dr. Markus Wirtz
Prof. Dr. Markus Wirtz

Doktorandin:
Julia Busch
Julia Busch (geb. Teller)